Nationale ökumenische Tagung „Palliative Care in den Gemeinden“

Eine nationale ökumenische Tagung brachte am 12. September die reformierten und katholischen Themenverantwortlichen zu Palliative Care in Zürich zusammen. Die Kirchen müssen auch in der ambulanten Palliative Care ihren Grundauftrag der Begleitung von Menschen am Lebensende wahrnehmen, lautete die Botschaft.
Foto: Mik Gruber° Szenograf und Ausstellungsgestalter

Menschen werden immer älter und leben länger mit den unterschiedlichsten Einschränkungen zuhause. Hier braucht es eine sorgende Gemeinschaft, die als Caring Community um die Grundpfeiler informeller Freiwilligenarbeit und sozialpolitischer Absicherung weiss.

„Die seelsorgliche Begleitung von Kranken oder Sterbenden durch kirchliche Seelsorgende ist nicht mehr selbstverständlich. Es braucht neue Antworten – und neue Weisen zu antworten. Auch dort, wo die Rolle der Kirchen früher unbestritten war“, so Esther Gaillard, Vizepräsidentin des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes in ihrer Begrüssung.

Die Kirchen müssen auch in der ambulanten Palliative Care ihren Grundauftrag in der Begleitung von Menschen am Lebensende wahrnehmen. Die Seelsorge in Spitälern und Pflegezentren ist in weiten Teilen interdisziplinär vernetzt. In der Kirchgemeinde ist die Zusammenarbeit mit den palliativen Netzwerken in der ambulanten Palliative Care noch nicht selbstverständlich. Nun muss die Gemeindeseelsorge gewonnen werden.

Um das Netzwerk und den Austausch unter den Themenverantwortlichen zu stärken, lud die Fachgruppe Palliative Care der Diakonie Schweiz deshalb zur nationalen ökumenischen Tagung. „Caring Communities: Palliative Care in den Gemeinden“ lautete der Titel der gemeinsam mit der Schweizer Bischofskonferenz durchgeführten Veranstaltung. Mehr als 80 strategisch oder operativ zuständige Fachpersonen kamen dazu nach Zürich.

„In der modernen Hospizbewegung, die sich wesentlich aus christlichen Quellen inspirieren liess, entwickelte sich ein neuer Ansatz von Care, der die Aufspaltung von Leibsorge und Seelsorge überwindet und die Bedeutung von Caring Communities neu entdeckt“, so Simon Peng-Keller, Professor für Spiritual Care an der Universität Zürich, in seinem Referat. Die Bedingungen des Sterbens so zu gestalten, dass Menschen sich als Teil einer grösseren Gemeinschaft erleben können, sei eine ebenso politische, zivilgesellschaftliche wie kirchliche Aufgabe.

„Sorgende Gemeinschaften in der Begleitung von Sterbenden schärfen den Blick daraufhin, dass Kirche draussen stattfindet, ausserhalb von Kirchenmauern und Pfarrhäusern“, bestätigte Christoph Sigrist, Dozent für Diakonie an der Universität Bern und Pfarrer des Zürcher Grossmünsters.

Verschiedene Workshops illustrierten gelingende Projekte, langfristige Trends und gemeinsame Strategien. Die Tagung soll Impulse auslösen, um das Konzept der Palliative Care in den Kirchgemeinden und Pfarreien vorzustellen, andererseits aber auch die kirchgemeindlichen Angebote im gesamten Palliative Care-Netzwerk bekannt zu machen. Die Gemeinden sollten Palliative Care-Projekte als „erweiterten Teil ihres diakonischen und seelsorgerlichen Engagements verstehen“, so Pascal Mösli, der als Beauftragter für Spiritual Care der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn die Tagung mit organisierte.