Gemeinsame Predigt von Bundesrat und Kirchenbundspräsident: Innovation steht im Dienst an den Menschen

Premiere in der neueren Schweizer Kirchengeschichte: Anlässlich des Reformationssonntags 2019 sprachen ein amtierender Bundesrat und der höchste Protestant gemeinsam von der Kanzel. Volkswirtschaftsminister Guy Parmelin und Kirchenbundspräsident Gottfried Locher forderten Innovation in Kirche und Staat und riefen die Wirtschaft als Innovationsmotor der Schweiz auf, sich in den Dienst an den Menschen zu stellen.
Foto: SEK, Pfr. Martin Rüsch, Bundesrat Guy Parmelin und Kirchenbundspräsident Gottfried Locher

Am heutigen Reformationssonntag hat im Zürcher Grossmünster ein Festgottesdienst mit Bundesrat Guy Parmelin und Kirchenbundspräsident Gottfried Locher stattgefunden. Die Predigt zum Thema «Innovation in Kirche und Staat: Was eint, was trennt?» hielten beide gemeinsam.

Bundesrat Parmelin: Was eint Kirche und Staat? Die Offenheit für Neues
Für Volkswirtschaftsminister Parmelin sind Staat und Kirche Institutionen, die den Menschen dienen. Wenn er nach einer Parallele suche und sich frage, welche Rolle die Innovation dabei spielen könnte, komme er zu folgendem Schluss, so Bundesrat Parmelin: «Die Zukunft der Kirche und des Staates hängen davon ab, ob sie offen sind für Modernisierungen. Dabei geht es natürlich nicht darum, alles Bisherige aufzugeben. Es geht vielmehr darum, offen zu sein für Neues. Wir sollten es wagen, etwas Neues neu zu denken».

Gottfried Locher: Reformation ist Innovation mit Weitsicht
Kirchenbundspräsident Gottfried Locher betonte in seiner Predigt, dass die ständige Erneuerung nicht nur erwünscht, sondern in der Reformation selber angelegt ist. Die Formel «ecclesia semper reformanda» bedeute für die Kirche, sich ständig zu erneuern, ohne dabei jedem Zeitgeist zu folgen. Wie bereits der Bundesrat betonte auch Locher, dass Innovation stets im Dienste der Menschen stehen müsse: «Unser Glaube ist ein Stachel im Fleisch der Gleichgültigkeit. Die reformierte Kirche sucht immer wieder neue Wege, denn nur so kann sie dem folgen, in dessen Auftrag sie steht: Jesus Christus.»

Wirtschaft als Innovationstreiber – unter Berücksichtigung grundlegender Werte
An den Volkswirtschaftsminister gerichtet erinnerte der Kirchenbundspräsident an die Verantwortung der Wirtschaft: «Es gibt keinen gesellschaftlichen Wohlstand ohne eine funktionierende Wirtschaft. Gleichzeitig steht auch die Wirtschaft im Dienst an den Menschen.» Auch Volkswirtschaftsminister Parmelin verlieh in seiner Rede seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Wirtschaft grundlegende Werte hochhalten müsse. Dazu gehören Verantwortungsbewusstsein, unternehmerische Freiheit, Freude an der Arbeit und ein ständiges Streben nach Qualität und Zuverlässigkeit. «Für die Zukunft der Schweiz braucht es nicht einfach nur Innovation der Innovation willen, sondern es braucht Innovation unter Berücksichtigung und Bewahrung dieser grundlegenden Werte», so Bundesrat Parmelin.