Die letzten Jahre

Im Jahre 1549 stirbt Calvins Frau; aus der Ehe entstammte übrigens ein Sohn, der aber kurz nach der Geburt verstarb. 

Im Jahre 1559 gründet Calvin in Genf die Akademie mit drei Lehrstühlen: Griechisch, Hebräisch und Philosophie. Die Akademie ist die Ausbildungsstätte für viele Theologen, die sich der Reformation angeschlossen haben und dann zu Reformatoren ihres Landes werden; die Wirkung kann gar nicht überschätzt werden. So studieren etwa John Knox aus Schottland in Genf und viele andere aus vielen Ländern dort. Die Akademie kann als Krönung des Werks von Calvin gelten: hier bekommt die Schriftauslegung als zentrales Anliegen Calvins ihren organisierten Raum. 

Im gleichen Jahr erscheint die letzte Überarbeitung der Institutio. Sie ist jetzt ein dickes Lehrbuch mit vier Büchern und 24 Kapiteln und gehört zu den großen dogmatischen Werken der evangelischen Theologie. 

Wohl aufgrund seiner zu großen Arbeitsmühe in seinem Leben wird Calvin, der eine Fülle von Krankheiten durchlebt hatte, immer schwächer. Am 2. Februar 1564 hält er seine letzte Vorlesung in der Akademie, am 6. Februar seine letzte Predigt. Am 27. Mai 1564 stirbt Calvin in Genf. Am 28. Mai wird er ohne Pomp beigesetzt und sein Grab erhält auf eigenen Wunsch keinen Grabstein. So weiß heute keiner mehr, wo genau Calvin begraben liegt. In seiner Abschiedsrede vom 28. Februar 1564 formuliert Calvin im Rückblick: 

„Ich habe viele Schwächen gehabt, die Ihr ertragen mußtet, und selbst all das, was ich getan habe, ist im Grunde nichts wert. Die schlechten Menschen werden diesen Ausspruch bestimmt ausschlachten. Aber ich wiederhole noch einmal, daß all mein Tun nichts wert ist und ich eine elende Kreatur bin. Ich kann allerdings wohl von mir sagen, daß ich das Gute gewollt habe, daß mir meine Fehler immer mißfallen haben und Gottesfurcht in meinem Herzen Wurzeln geschlagen hat. Ihr könnt es bestätigen, daß mein Bestreben gut gewesen ist. Darum bitte ich Euch, daß Ihr mir das Schlechte verzeiht. Wenn es aber auch etwas Gutes gegeben hat, so richtet Euch danach und befolgt es!“ (zitiert nach: Calvin-Studienausgabe Band 2: Gestalt und Ordnung der Kirche, hg. v. E. Busch u.a., Neukirchen-Vluyn 1997, 299) 

Calvin stammt aus Frankreich, und sein ganzes Leben ist auf Frankreich hin ausgerichtet gewesen. Er will die Gemeinden in Frankreich, die unter Verfolgung leiden, stärken. Ihnen zu dienen war sein großes Lebensziel. Er hat es geschafft, die reformierten Kirchen zu einen durch eine gemeinsame Lehre und durch die Kirchenordnung. Aber er stirbt zu früh, um den französischen Gemeinden in den späteren Religionskriegen in Frankreich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Beeindruckend ist seine Briefkorrespondenz mit ganz Europa, ca. 2000 Briefe sind erhalten. Es finden sich Briefe an politische Führungspersönlichkeiten ebenso wie an andere Reformatoren innerhalb und außerhalb der Eidgenossenschaft. In vielen Briefen geht es um die Situation der Evangelischen in Frankreich, aber auch darüber hinaus. Daneben aber finden sich auch ganz viele Briefe, die den Seelsorger Calvin zeigen, der es versteht, auch einfachen Gemeindegliedern auf ihre Glaubens- und Lebensfragen hin hilfreichen und lebensförderlichen Rat zu eben.